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Racing
ORIS RALLY CLASICO: Porsche nicht zu schlagen


XIII. ORIS RALLY CLASICO PUERTO PORTALS, 9. bis 11. März 2017

Wenn eine 13. Edition der Rally Isla Mallorca so gut verläuft, wie die diesjährige Veranstaltung, dürfen sich Organisation, Teilnehmer und Zuschauer in den Armen liegen: keine schweren Unfälle, fabelhaftes Wetter, keine Zeitverzögerungen im Ablauf, 80 Renn- und Rallyeautos am Start; da kann es nur Gewinner geben, alles im grünen Bereich – nicht ganz. Vor der ersten Sonderprüfung in der Nacht zum Freitag geht einem Vorwagen der Organisation die Straße aus, und so erkundete er die benachbarte Wiese auf dem Kopf. Eigentlich kannte der spanische Fahrer in den Bergen rund um Calvia hier ja jede Nachteule, aber vielleicht war die Straße geschrumpft.

Den Eindruck hatten die Teilnehmer in der 2. WP der Nacht bei Puigpunyent auch. 20 enge Spitzkehren luden zur Achterbahn ein. Und diese Wertungsprüfung war aus den Vorjahren schon bekannt! Nur…diesmal wurde die WP andersherum gefahren. Wie sagt man so schön, „da trennte sich die Spreu vom Weizen“. Der Veranstalter hatte es gut gemeint, „damit die Teilnehmer nicht einschlafen“. Von Schlaf konnte keine Rede sein. Drei bis vier der Kehren waren bergauf so eng, dass einige Teilnehmer zum Stehen kamen oder sogar den Rückwärtsgang einlegen mussten. Ja klar – die Spitze des Feldes hatte das alles trainiert; aber einige Beifahrer haben sich im Angesicht einer mit Cibies angestrahlten Felswand schon gefragt, ob das der richtige Pfad wäre.


Das Ergebnis bei den Top-Teams war jedenfalls so, dass sich Vorjahressieger Stefan Oberdörster und Olaf Heupel im Porsche 911 RSR etwas taktische Zurückhaltung auferlegten, um die Dunkelheit zu durch-pflügen. Hinten kackt die Ente. Zurück im Hafen Puerto Portals führten deshalb im Klassement die Einheimischen Nadal Galiana und Gabriel Flores im Ford Escort – Siegerauto 2015 mit acht Sekunden vor Oberdörster/Heupel und Tacho/Canellas in Porsche 911. In der schnellen Regularity waren Ruben Maes und Askin Pyck wieder einmal die Schnellsten am Durchschnittscomputer. Man könnte auch meinen, „autonomes Fahren“ hätte jetzt schon Einzug im Rennsport gehalten; aber dafür hatte Ruben Maes doch sichtbar zu heftig am Lenkrad des Porsche 914/6 gekurbelt.

Der zweite Tag war geprägt von der berühmten Bergetappe „Sa Calobra“. Ein Abschnitt heißt „Krawattenknoten“, weil sich die Kurve fast zuzieht. Sie ist aber nicht gefährlich. Gefährlicher sind da schon einige flüssige Passagen auf den 12 Kilometern bergauf, bei denen man sich nicht den Kragen abfahren sollte. Die malerische Sonderprüfung „Orient – Bunyola“ zum Schluß der Etappe lud allerdings wenig zum Genießen der Landschaft ein, weil die Bergabpassagen teils heimtückischen Charakter hatten. Gott sei Dank war es trocken, und die Rutschphasen vor mancher Leitplanke führten nur dazu, dass sich unerfahrenere Beifahrer/innen in der Rennschale etwas streckten; „Hätt alles noch ens joot jejange“, hieß der Rückblick des Tages. Sogar sehr gut: Tacho/Canellas im 911 hatten die Führung übernommen vor Oberdörster/Heupel im RSR und den etwas zurückgefallenen Galiana/Flores auf Ford Escort.

Der dritte Tag sollte es bringen. Schon in der ersten WP in Pollenca übernahmen Oberdörster/Heupel die Gesamtführung. Eigentlich sollte an diesem Tag die pfeilschnelle Wertungsprüfung „Coves de Campanet“ dreimal durchfahren werden, aber Anwohner wollten wohl zwischendurch einmal zum Strand oder zum Einkaufen fahren. Denn natürlich waren alle Sonderprüfungen stets hermetisch für den Straßenverkehr gesperrt. Einheimische zogen morgens schon mit Sack und Kühltasche zu den „beliebtesten“ Stellen – unter anderem an den berüchtigten Sprunghügel, der traditionell für einige richtige Sprungeinlagen, aber auch stilvolle Abflüge verantwortlich ist.

Die Wertungsprüfung wurde gefahren „in memoriam Pep Lumbreras“, der als Beifahrer im Renault 5 Turbo 2015 hier sein Leben ließ – und alle wussten, so etwas darf nicht wieder passieren. Spätnachmittags wurde die Wertungsprüfung dann noch einmal gefahren – in entgegengesetzter Richtung. Wenn Rechtshänder mit Links schreiben müssen, geht das auch nicht so flüssig und lässt neue Schlenker und krakeligen Stil nicht ganz ausschließen. Wenn aber dann die tiefstehende Abendsonne noch ins Cockpit scheint, lässt das gleißende Licht schon einmal Kommentare des Fahrers verlauten wie „Ich seh nichts mehr“. Die knappe Ansage des Copiloten „Fahr schneller“ ist dann auch nicht immer hilfreich.

Zuvor hatte man noch am frühen Nachmittag die längste WP vom Cap Formentor nach Pollenca mit fast 17 Kilometer als „ Königsetappe“ in malerischer Landschaft absolviert. Die Mittagspause am Cap Formentor mit mallorquinischen Spezialitäten war atemberaubend inszeniert und ließ alle Anstrengungen, Kosten und Mühen vergessen. Überhaupt war die Insel zu dieser Jahreszeit in einem paradiesischem Zustand – Sonne, Palmen, milde Temperaturen, grüne Ebenen und majestätische Berge gepaart mit traumhaften Stränden; das ist Grundlage für ein Lebensgefühl, dass mit dem sportlichen Anreiz einer internationalen Rallye zu Glücksgefühlen führt, die man eben in der Eifel nur selten findet. Ausnahmen: Alles passt beim OGP oder bei den 24h zusammen. Halt anders!!

Die Gewinner fuhren durchweg Porsche – sicher kein Zufall. Stefan Oberdörster/Olaf Heupel gewannen die Rallye insgesamt zum dritten Mal und zum zweitenmal in Folge auf ihrem gesunden Porsche RSR. Maes/Pyck waren in der schnellen Regularity auf Porsche 914/6 auch zum zweitenmal ganz vorn. Auch die Dritten in der Regularity, Christian Fanenbruck und Rene Machon waren bravourös unterwegs. Wenn man allerdings miterlebt, was sie den ganzen Tag im Kofferraum ihres 911 (der ist vorne!!) mitführen, wird klar, dass sie aus St. Pauli kommen (nein – Netzstrümpfe oder BH´s sind es nicht).

Den Damenpokal holten an 6. Stelle im Gesamt Beate Oberdörster/Ute Nase auf Porsche 911, die eine herausragende Rallye fuhren – Glückwunsch der vielen Männer dahinter!! (Knirsch) Die Regularity Baja gewannen Nigorra/Cifre im Jaguar XKE vor Rust/Keller im Jaguar XK 150. Sag noch mal einer, Jaguar wäre nicht im Kommen – geht doch!

Endergebnisse

XIV Rally Clásico Puerto Portals, Mallorca 2018
8.-10. März 2018
Mehr Infos unter: www.orisrallyclasico.com

Artikel von www.curbs.de/curbs