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RALT RT 3


Ralt RT 3: Einmal Formel-3-Nonplusultra

Der Australier Ron Tauranac, geboren in New South Wales und inzwischen über 90 Jahre alt, ist auch eine der herausragenden Ingenieur-Persönlichkeiten in der Geschichte der Formel 1. Er begann 1946 mit seinem Bruder Lewis mit dem Rennwagenbau, sie traten mit ihren Konstruktionen in australischen Rennserien an und lernten dort auch den jungen Jack Brabham kennen. Brabham ging dann nach Europa und lud Tauranac 1960 ein, zusammen mit ihm in England an Triumph Heralds mit Climax-Motoren zu arbeiten.

Im Jahr darauf gründeten Brabham und Tauranac eine eigene Firma, Brabham (Motor Racing Developments Ltd.), und begannen mit dem Bau von Fahrzeugen für die Formel Junior. Brabham verließ nach der Saison 1961 das Team Cooper, mit dem er zweimal die Formel-1-WM gewonnen hatte. Tauranac und er konstruierten für ihr eigenes Team Rennwagen für eine ganze Bandbreite von Rennwagenklassen. Der weltweite Verkauf der Fahrzeuge neben legendären Erfolgen in nahezu allen Rennwagenklassen auch in den Händen zahlloser privater Eigentümer zeitigte zudem einen wirtschaftlichen Erfolg für das Unternehmen MRD innerhalb weniger Jahre. Brabham-Rennwagen standen vor allem auch in dem Ruf einer vergleichsweise soliden Handwerkskunst, Brabham und Tauranac setzten stets stark auch auf die Zuverlässigkeit ihrer Konstruktionen.

1966 konnte Brabham in einem von Tauranac entwickelten Formel 1, der seinen Namen trug, zum dritten Mal Fahrerweltmeister werden – das schaffte bis jetzt außer Jack Brabham noch kein anderer Fahrer. Nach der Saison 1970 trat er vom Rennsport zurück und verkaufte das Team an seinen Partner. Aber Tauranac fühlte sich ausgebrannt und verkaufte Brabham wiederum Ende 1971 weiter an Bernie Ecclestone. Er blieb zunächst in England, konstruierte einen Wagen für die Formel 5000 und arbeitete kurze Zeit für Williams in der Formel 1, kehrte dann aber vorerst zurück nach Australien.

1974 kam Tauranac wieder nach England und gründete die Firma Ralt – mit einem Namen, den er und sein Bruder schon einmal in den 50er Jahren in Australien für ihre Rennwagen vergeben hatten -, mit der er auch wieder Fahrzeuge für diverse Nachwuchsformeln konstruierte. Und wieder erntete er serienweise große Erfolge als Rennwagenbauer weltweit bis hoch in die Formel 2 hinein, hier letztlich in Kooperation mit dem Motorenpartner Honda. In den letzten Jahren der Formel 2 Anfang der Achtziger gewannen die Briten Geoff Lees, Jonathan Palmer sowie der Neuseeländer Mike Thackwell 1981, 83 und 84 drei Europameistertitel in Versionen des Ralt RH 6-Honda V6, wobei die Anzahl der Saisonsiege der jeweiligen Konstruktionen noch stetig stiegen bis auf zuletzt neun von elf möglichen durch beide Fahrer Thackwell und Roberto Moreno 1984.

Am Rande hatte Ron Tauranac 1978 für Theorore Racing auch noch einmal einen Formel-1-Rennwagen entwickelt. 1988 verkaufte er seine Firma an March, blieb dem Motorsport aber unter anderem noch einige Zeit als Berater des Formel-1-Arrows-Teams erhalten, war nach seiner Ralt-Zeit auch noch für Honda in die Entwicklung von Rennwagenschulen-Fahrzeugen sowie in die Entwicklung eines Formel Renault involviert.

Absolut parallel zu den Entwicklungen für die Formel 2 und die „wesensverwandte“ Formel Atlantic vor allem für den amerikanischen Konntinent lief bei Ralt der ebenfalls sehr erfolgreiche Bau von Formel-3-Rennwagen. Der erste war hier der Ralt RT 1, eine Typenbezeichnung, die in jenen Jahren übrigens für die Formel-2- und Formel Atlantic-Ver-sionen noch identisch war. Schon mit dem Formel-3-Ralt RT 1 gewannen der Australier Lerry Perkins und der Niederländer Jan Lammers Formel-3-Europameisterschaften, 1975 und 1978. Als 1979 der „Ground Effect“ auch in die Formel 3 Einzug hielt und Konstrukteure wie Chevron, March und Martini erfolgreicher bereits mit solchen „Wingcars“ antraten, war es den Fahrern des Ralt RT 1 zwar noch möglich, Podiumsplätze herauszufahren, aber der RT 1 war kein Siegerfahrzeug mehr.

Das führte zur Geburtsstunde des Ralt RT 3, einer der erfolgreichsten Formel-3-Entwicklungen aller Zeiten. Bestehend aus einer sehr steifen Aluminium-Wanne mit Wabenstruktur und Schotten, zeigte sich die Radaufhängung rundum innenliegend, und der Kraftstofftank befand sich in zentraler Lage. Die Wanne war sehr eng und schmal, aber das erlaubte breite, gesäumte Seitenkästen für einen maximalen „Ground Effect“. Das Ganze war in einer sehr elegante, schnittige Karosse verpackt. Die Produktion lief aber nur langsam an, es wurde zunächst nur eine Handvoll Autos gebaut. Ursprünglich war der Wagen ein wenig zu schwer, und die wenigen Fahrer brauchten Zeit, um sich daran zu gewöhnen.

Nicht überraschend im Hinblick auf einen so langsamen Start ins Renngeschehen 1979 bevorzugten die meisten Fahrer, die mehr erreichen wollten, zunächst die March Argo-Option für 1980, und es dauerte bis zur sechsten Runde der britischen Formel-3-Meisterschaft, dass ein RT 3 erschien. Doch nun wies das Chassis, bei Testfahrten stark verbessert, deutlich mehr Potenzial auf, und die Fahrer fanden ein passendes Set-up. Zum Glück für Ralt hatte Spitzenreiter Stefan Johansson, wie alle anderen 803-Fahrer, Probleme mit dem neuesten March Modell. Sein Project Four-Team (im Besitz von Ron Dennis) beschloss, einen RT 3 für die letzten Rennen des Jahres einzusetzen, und Johansson errang sofort Siege in den letzten vier Rennen der Meisterschaft. In Deutschland belegten die RT 3-Versionen von Frank Jelinski und Wolfgang Klein gar die ersten beiden Plätze in der Deutschen Formel-3-Meisterschaft.

Die 81er RT 3-Ausführung war mit gestrecktem Chassis im Motorbereich und im Profil geänderten Seitenkästen leicht überarbeitet. In der britischen Formel-3-Meisterschaft belegten RT 3-Fahrer im Schlussklassement acht der ersten zehn Plätze und gewannen 19 von 20 Rennen! Während dieser Saison führte Ron Tauranac eine überarbeitete Geometrie der Radaufhängungen ein, die auf der des Formel Atlantic-Rennwagens basierte. 1982 experimentierten verschiedene Teams mit dem RT 3 unter anderem auch beim Design, allerdings mit nur marginalen Erfolgen gegenüber ihren Markenkollegen. Alle 20 Siege in der britischen Formel-3-Meisterschaft gingen an Ralt RT 3-Fahrer, dazu kamen erneut Platz eins und zwei in der Deutschen Formel-3-Meisterschaft sowie der Gewinn des japanischen Formel-3-Cups durch den einzigen Ralt RT 3-Fahrer dort.

Der RT 3/83 wartete dann noch einmal stärker überarbeitet auf. Die Seitenkästen wiesen erneut geänderte Profile auf, das Wagenheck war noch weiter versteift worden, zudem präsentierte sich die Geometrie der Radaufhängungen wieder leichter modifiziert. Eine offensichtliche Änderung betraf auch den Fußbereich des Fahrers aufgrund neuer FISA-Vorschriften, was auch zu einer insgesamt aerodynamisch noch günstigeren Wagenschnauze führte. Ayrton Senna und Martin Brundle gewannen 18 der 20 Läufe zur britischen Formel-3-Meisterschaft, auch die anderen beiden gingen an RT 3-Fahrer, Allen Berg und Calvin Fish. Darüber hinaus triumphierten Ralt RT 3-Fahrer als Titelgewinner in den italienischen, japanischen und schwedischen Formel-3-Meisterschaften.

Der auf diesen Seiten präsentierte Ralt RT 3/83-Toyota Novamotor wurde in der Historie zwischen 1983 und 1985 in diversen Meisterschaften und bedeutenden Einzelrennen recht erfolgreich vom Schweizer Jo Zeller eingesetzt. Hervorzuheben sind sein sechster Platz in Zolder und sein siebter Platz beim Formel-3-Grand Prix Monaco 1985, in Magny-Cours, Zeltweg, Zolder 1983 sowie in Magny-Cours 1984 platzierte er sich jeweils als Achter, insgesamt stehen aus diesen drei Jahren 15 Zielankünfte des Eidgenossen in internationalen Rennen zu Buche.

Seit 2014 ist der Bremer Daniel Hornung, auch Projektleiter des „Schuppen eins“ in Bremen, Eigentümer des Wagens und setzt ihn in den Rennen der HRA German Open-Rennserie, 2017 auch in der internationalen Serie „Trofeo Novamotor“ und anderen Rennen für historische Formel-3-Rennwagen ein. Hornung kommt ursprünglich aus dem Kartsport, fuhr 1994/95 auch ADAC BMW Formel Junior. Seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre betreibt er auch Historischen Motorsport, unter anderem hinter den Lenkrädern von Lotus Elite, Elan, Mark IX und XI sowie Sports 2000 TIGA SC 81. Mit seinem Formel-3-Ralt RT 3/83-Toyota Novamotor, dem Ex-Jo Zeller-Auto, ist er vom Fahrkönnen her immer für einen Podiumsplatz gut. 2016 beispielsweise belegte er im Rahmen des AvD-Oldtimer-Grand Prix Nürburgring in Rennlauf zwei der Formel-3-Rennen den zweiten Platz Gesamt, ebenso bei der HRA-Runde ADAC Westfalen Trophy Nürburgring. In der laufenden Saison 2017 erreichte er vor wenigen Wochen einen dritten Platz bei der HRA-Runde Motorsport XL Weekend Nürburgring.

Ralt-RT-3: Technische Daten

Artikel von www.curbs.de/curbs